64 Verkehrsschilder am Hegibachplatz:

Eine Stadtbetrachtung

Es ist unbestritten: Für ein konfliktfreies Nebeneinander von Fuss-, Velo- und motorisiertem Verkehr – von privaten und öffentlichen Verkehrsmitteln – braucht es im öffentlichen Raum Regeln. Aber braucht es deswegen beispielsweise auf dem Hegibachplatz gleich 64 Verkehrsschilder?

Dieser Frage ging ich gemeinsam mit dem Bildhauer und Architekten Christoph Haerle am 11. Februar anlässlich einer gut besuchten Stadtbetrachtung nach. Sensibilisiert durch die Inputs von Christoph Haerle entdeckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unzählige sinnlose, sich sogar mehrfach wiederholende Verkehrsschilder. Der Eindruck entstand, es bestehe eher ein Recht der Schilder am öffentlichen Raum denn ein Recht der Bevölkerung.

Christoph Haerle nannte die Ursachen für diese Überreglementierung: Verkehrsschilder und Elemente wie Strommasten werden im Gestaltungsprozess von öffentlichen Räumen nicht genügend miteinbezogen. Nachdem eine Strasse oder ein Platz umgestaltet und verschönert wurde, wird der Raum in einer zweiten Welle durch sekundärarchitektonische Elemente verstellt. Es fehle in der städtischen Verwaltung am Bewusstsein für die Auswirkungen der Überreglementierung des öffentlichen Raums. Wenn alleine juristisch argumentiert wird, geht der Mensch als Benutzer des öffentlichen Raums vergessen, so Haerle.

Am Beispiel eines neuen Wohnhauses zeigte Haerle die Versäumnisse bei der Umsetzung von Lärmvorschriften auf: Es werden Häuser gebaut, die sich komplett vom Strassenraum abwenden, nur um den Lärmvorschriften zu entsprechen. Obwohl es Alternativen gäbe, wird der soziale Zusammenhalt zerstört, indem der private Raum vom öffentlichen Raum abgekapselt wird.

 

André Odermatt