Bürgerliche Wohnungsnot

Ich freue mich, dass auch die Zürcher FDP gemäss Aussage von Stadtratskandidat Urs Egger die Wohnungsnot ernst nimmt und nicht mehr kleinredet. Er stellte in der NZZ am Sonntag dann sogar die Grundsatzfrage, „wer das Recht hat, wo in Zürich zu wohnen.“ Soweit so gut. Ich bin dann aber doch erstaunt über die kürzlich gemachten Aussagen von Urs Egger in einigen Quartieranzeigern der Lokalinfo AG.

Erstens beteuert er, dass die FDP alle Wohnbauvorlagen unterstützt hätte. Dies auch gegen die Opposition der SP und der Grünen. Als Beispiele nennt er das Zollfreilager und die Kronenwiese. Tatsache ist – beide Vorlagen wurden von der SP klar und aktiv unterstützt, im Falle der Kronenwiese sogar von der SP initiiert. Zweitens hat die FDP vor kurzem die Dringlichkeit eines Vorstosspakets der SP, die eine deutliche Verbesserung der Mietpreissituation in der Stadt Zürich anstrebt, abgelehnt.

Drittens ist sein Vorschlag, das 40-jährige Bauverbot im Seeburgpark im Seefeld vorzeitig aufzuheben durchaus diskutabel. Es ist jedoch ein Tropfen auf den heissen Stein und keineswegs in relevantem Ausmass zielführend. Bauherrin auf diesem Areal wäre idealerweise die Kirchgemeinde Neumünster, die auf dem Nachbargelände günstigen Wohnbau anstrebt und damit Synergien erzielen kann und nicht irgendwelche profitmaximierende „Private“, wie es Urs Egger fordert. Gerade der Bau durch private Investoren ist oft Teil des Problems und
nicht der Lösung. Nur die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus kann verhindern, dass in der Stadt Zürich die Reichen wohnen, wo sie wollen und die Armen, wo sie müssen.

 

André Odermatt