Zum Abschied von Giovanni Giarrana

Als ich die Zusage gemacht habe, am 27. Mai 2015 einen
Beitrag für den Blog zu verfassen, konnte ich nicht ahnen, dass mir dieses
Datum für immer in Erinnerung bleiben wird – es ist verknüpft sein mit einem
traurigen Anlass, weil heute Mittwoch, den 27. Mai 2015 um 14:00 Uhr unser
Freund, Kollege und Genosse Giovanni Giarrana im Alter von knapp 71 Jahren zu
Grabe getragen wurde. Das grosse Herz von diesem Weltbürger schlägt nicht mehr!

Giovanni fehlt mir sehr und wohl allen die ihn gekannt
haben. Ich habe ihn bewundert für seinen unerschütterlichen Glauben an eine
bessere Welt – gegen Unterdrückung und Ausgrenzung! «Eine andere Welt ist
möglich!» – das war seine Losung. Er war tief überzeugt, dass viele kleine
Veränderungen in der Summe zu einer grossen Veränderung führen werden. Er war
ein unermüdlicher Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Ganz speziell hat er sich für die Migrantinnen und
Migranten eingesetzt, sei es in der Gewerkschaft, in der Partei und in der Gesellschaft.
Er war ja selber ein italienischer Migrant und wusste, wovon er sprach. Seine Reden konnten Begeisterung auslösen und mitreissen. Und er war auch ein Mann der Tat. Schon
in jungen Jahren während der Ausbildung hat er seinen ersten Streik organisiert:
für bessere Lehr- und Arbeitsbedingungen der Auszubildenden! Seine erste Tat
als Pensionierter war der Friedens- und Solidaritäts-Marsch gegen Rassismus und
Ausgrenzung. Gleich am Tag nach seinem Übertritt in den Ruhestand – was bei
Giovanni ein Widerspruch in sich ist – nahm er den Weg von Horgen (seinem
Wohnort) nach Ravanusa auf Sizilien (seinem Geburtsort) unter die Füsse! Für
die rund 2500 km lange Strecke benötigte er nur 58 Tage (!) und sein Marsch im
Jahr 2009 hat einiges Medienecho ausgelöst. Zwischen seinem ersten Streik und
dem Friedensmarsch gab es ein aktives Familien-, Berufs- und Aktivistenleben.
Neben seinem grossen Engagement in der Gewerkschaftsbewegung war Giovanni auch
ein Familienmensch. Seine Verbundenheit mit den Menschen in Sizilien war sehr
stark. Aber er und seine Frau reisten auch sehr gerne und erkundeten zusammen
viele Länder dieser Erde.

 

Selbst als er schon schwer krank war, liess er nicht locker.
Der ärztliche Rat lautete, dass er seinen Alltag so normal wie möglich gestalten
solle… Dieser Ratschlag erfolgte wohl in Unkenntnis dessen, was Giovanni für «normal» hielt. So reiste er im März 2015 als Mitglied der UNIA-Delegation nach
Tunis ans Welt-Sozial-Forum. Zum letzten Mal habe ich Giovanni am 17.3.2015 bei
der Eröffnung der «Baracken»-Wanderausstellung in der HB-Halle erlebt.
Zusammen mit Vania Alleva (Co-Präsidentin UNIA) hat er die Eröffnungsrede
gehalten und in eindringlichen Worten an die Zeiten der «Saisonniers» und der «Schwarzenbach-Initiativen» erinnert. Giovanni konnte aus eigener Erfahrung von
diesen unsäglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen berichten und kämpfte bis
zum Schluss, dass solche Zustände NIE WIEDER toleriert werden dürfen!

 

Am 16. Mai 2015 hat sich der Lebenskreis von Giovanni
Giarrana geschlossen und er ist mit einem Lächeln für immer eingeschlafen. Er
wird mir für immer in grosses Vorbild bleiben!

 

UNITI SIAMO FORTI – GEMEINSAM SIND WIR STARK

 

FAREWELL, CARO COMPAGNO E GRAZIE MILLE PER TUTTO

 

R.I.P.