Tram 2 – Wer setzt sich wirklich für den ÖV ein?

Mit überwältigendem Mehr hat der Gemeinderat die Verlegung des Trams 2 an den Bahnhof Altstetten gestoppt. Nun muss der Stadtrat – gegen seinen Willen – über die Bücher. Das ist gut so. Das Projekt hätte keinen Nutzen gebracht, aber viele Verlierer. Für die BenutzerInnen des ÖV hätte es lange und unattraktive Umsteigeweg gegeben. Und gekostet hätte es auch noch Unsummen, unvorstellbar bei knappen Budgets. Das ist kein Nein zum ÖV, sondern ein klares Bekenntnis zu einem besseren ÖV.

Im täglichen Einsatz mit Tram und Bus machen die VBZ und insbesondere ihr engagiertes Personal einen tollen Job. Aber wer setzt sich wirklich ein für gute Bedingungen für die BenutzerInnen im ÖV? Ist es Stadtrat Türler als oberster VBZ-Chef? Indem es ihm egal ist wie lang die Umsteigewege sind, ob stark befahrene Strassen überquert werden müssen oder ob die Leute im Regen stehen? Wären ihm die KundInnen wirklich wichtig, hätte er dieser Planung für die Verlegung des Trams 2 nie zustimmen dürfen. Aber er sieht das nicht als seine Aufgabe. Das hat er schon bei der suboptimalen Planung beim Bahnhofplatz Süd in Oerlikon nicht als seine Aufgabe gesehen.

Weil es im Wahlkampf hilfreich ist, gibt er beim Tram Affoltern vor, sich für das Tram einzusetzen. Aber für einen schnellen Entscheid über die Linienführung kneift er und verzögert damit die Planung. Er müsste sich mit seiner bürgerlichen Klientel auseinandersetzen, weil vielleicht Einschränkungen beim MIV nötig wären. Er verweist gerne auf Ruth Genner, die für die Planung zuständig sei. So kann er sich zurücklehnen. Damit schleicht er sich aus der Verantwortung. Ruth Genner darf dann die Kohlen aus dem Feuer holen.

Wo steht hier die SP? Meines Erachtens hat die SP zu lange gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Allzu oft haben wir schönen Projekten mit funktionalen Mängeln zugestimmt. Faulen Kompromissen haben wir – manchmal knurrend – zugestimmt. Wie beim untauglichen Projekt für die Verlegung des Tram 2 müssen wir den Mut haben die Notbremse zu ziehen. Geschickt orchestriert von Alan Sangines. Wenn man aktiv Allianzen mit den anderen Parteien sucht ist das mehrheitsfähig.

Statt die Notbremse zu ziehen müssen wir künftig rechtzeitig bessere Projekte fordern. Besser muss nicht teurer sein. Siehe Verzicht Verlegung Tram 2, das sogar Geld spart und ein bessere Lösung bringt. Die BenutzerInnen des ÖV erwarten attraktive Anlagen: Kurze und sichere Umsteigewege, bequeme Einstiegverhältnisse in Tram und Bus, Haltestellen mit einem tauglichen Wetterschutz.

Hans Jörg Käppeli, Gemeinderat SP 11