Drei Banken

Mit der Debatte rund um den USA-Deal geriet auch die ZKB einmal mehr ins Scheinwerferlicht. Es lohnt sich nicht, an dieser Stelle über das USA-Geschäft der Bank zu werweissen. Wir kennen zurzeit schlicht die Details nicht – abgesehen von den medial verbreiteten Mutmassungen. Aber wenn die ZKB in der Öffentlichkeit diskutiert wird, so wird es meist auch sehr sehr grundsätzlich. Welche Geschäfte muss, soll, darf die ZKB betreiben? Wie richtet sich die Bank grundsätzlich aus?

Wenn wir die Privatisierer einmal ausblenden, so gibt es drei Philosophien zur Ausrichtung der ZKB: Die erste Variante ist die Sparbüechli-Bank. Die ZKB sollte sich auf Bankkonti, Kredite an lokales Gewerbe und Hypotheken beschränken – eine schnuckelige Kantonalbank also, wie kleinere Kantone sie kennen. Die zweite Variante ist die Bank für das Zürich des 21. Jahrhunderts. Diese ist globaler und vielfältiger, eben wie es die Zürcher Wirtschaft heute erfordert. Die dritte Variante ist die Grossbank, die „Zürich“ vor allem noch im Namen trägt. Die ZKB soll sich neben UBS und CS als gleichwertige Alternative etablieren und alles machen, was Geld bringt.

Was wollen wir? Eine reine Sparbüechli-Bank kann für Zürich keine Option sein. Eine solche ist weniger krisenanfällig und irgendwie sympathischer, finden viele. Das mag zwar stimmen, aber wir müssen uns auch fragen: Soll unsere Staatsbank auf dem Standort Zürich ein richtiger Player sein oder bloss ein Mitspieler? Unser Anspruch ist eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltige Bank. Dies gilt aber auch für Geschäftsbereiche, die ein erhöhtes Potential für fehlerhaftes Verhalten und negative Schlagzeilen haben. Entscheidend ist das „wie“ und weniger das „was“.

Eine Grossbank nach Zuschnitt von UBS und CS kommt für uns ebenfalls nicht in Frage. Die Staatsgarantie des Kantons lässt sich ohne direkten Nutzen der Bank für unseren Wirtschaftsraum nicht mehr rechtfertigen. Also wollen wir die Bank für das Zürich des 21. Jahrhunderts? Im Prinzip ja. Doch leider sind die Grenzen zwischen den drei Philosophien in der Praxis ziemlich fliessend. Insbesondere der Übergang zur Grossbank lässt sich nicht haarscharf zeichnen. Dies ist denn auch die aktuelle Herausforderung der Politik: Sie muss der ZKB praktikable Grenzen setzen, damit die Bank ihren Fokus auf Zürich, die Zürcher Wirtschaft und die eigene Nachhaltigkeit nicht verliert.

Raphael Golta